Es reicht jetzt wirklich, Melchi! von Andreas Gehrke

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Es reicht jetzt wirklich, Melchi!

Der Weihnachtsgottesdienst 2010 um 16:30 Uhr in der Corneliuskirche

 

Rolle
Sprecherin
Gabriel
Maria
Josef
Tischler
Gastwirtin
Lehrling
Kaspar
Balthasar
Melchior
Herbergsvater I
Herbergsvater II
Hirte I
Hirte II
Hirte III
Hirte IV
Engel des Herrn

 

Material

Übliche Beleuchtungskörper, Spot, Soundequipment, Slippery-Floor-Schild, Staubsauger, Feudel, Besen, Basketball, Stuhl, Krippe, Tür, Sternkarte, Scherbenhaufen.

 


 

Bei Maria

 

Sprecher: „Der Engel Gabriel wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach:“

 

Gabriel (tritt auf): „Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!“

 

Maria (erschrickt): „Was um Himmels Willen soll denn „du Begnadete heißen“? Welch ein Gruß ist das?“

 

Gabriel: „Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.“

 

Maria: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?

 

Gabriel: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei. Denn bei Gott ist nichts unmöglich.“

 

Maria: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. (Zu sich selbst) Und ich werde alles vergessen, was ich jemals von Dr. Sommer gelesen habe.“ (Beide gehen ab).

 

Sprecherin: „Und es ging einige Zeit ins Land. Das Kind in Marias Bauch wuchs und wuchs und Maria genoss die Schwangerschaft in vollen Zügen!“

 

Bei Maria und Josef

 

Maria (mit ansehnlichem Bauch) erscheint mit Putzeimer, Staubsauger und Feudel auf der Bühne. Sie stellt das Putzschild auf und macht sich an die Arbeit.

 

Maria (seufzt): „Schwanger werden war nicht schwer, aber schwanger sein………. (putzt und putzt und putzt). „Örgs, ich kann nicht mehr. Ich habe den Rasen gemäht, den Esel gestriegelt, den Stall ausgemistet, die Wäsche gewaschen, gebügelt und zusammengelegt, den Schreinerschuppen angestrichen, das Haus aufgeräumt und zuletzt gefeudelt und gebohnert,. Höchste Zeit für ein Mittagsschläfchen“ (Lässt sich auf einen Stuhl fallen und streckt alle viere von sich und döst ein).

 

Josef (tritt laut pfeifend auf, Maria wacht auf): „Ich sehe, liebe Maria, Du hast Dir einen faulen Vormittag gemacht. Das ist gut, gerade in Deinem Zustand. Rate mal, was passiert ist?“

 

Maria: „Keine Ahnung. Aber Du wirst es mir mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit gleich mitteilen. Das aber solltest Du nur tun, wenn folgende Tätigkeiten ganz zwingend NICHT unmittelbar in Verbindung zu Deinen Äußerungen stehen. Es scheiden aus: Fußmärsche länger als 200 Meter, Reiten auf langohrigen Vierbeinern, Wach sein zu nächtlicher Stunde, Nächtigen in schwangeren-nicht-kompatibler Bettstatt. Falls vorhanden, filtere diese Tatbestände aus Deiner vorbereiteten Rede heraus.“

 

(Pause)

 

„Und? Wolltest Du mir nicht erzählen, was passiert ist?“

 

Josef: „Geht jetzt wohl nicht mehr!“

 

Maria: „Ich habe da ein gaaanz dummes Gefühl. Ok, lass es raus!“

 

Josef: „Also, die Type da in Rom, Du weißt schon, der Kaiser Dingsbums da, der will auf Nummer sicher gehen, dass er auch genug Steuern bekommt, um Wohltaten an sich vollführen zu können und darum muß er wissen, ob er auch alle seine braven Steuerzahler erfasst hat und das kann er nur, wenn alle Leute, also die Ehemänner mit ihren Frauen die Vaterstädte der Männer aufsuchen und sich in eine Liste eintragen. Dann weiß Augustus genau, wer wo geboren wurde und mehr Steuereinnahmen sind ihm sicher. Die Arithmetik dahinter erschließt sich mir zwar nicht ganz, macht aber nichts. Da ich aber in Bethlehem geboren wurde und unser jetziger Aufenthaltsort eben nicht Bethlehem heißt, folgern wir messerscharf, dass wir nach Bethlehem marschi…… äh …. reite …..äh … uns begeben müssen.“

 

Maria: „Sorry, aber das ist ja vollkommen dummes Zeug! Wenn Du als Mann in Deine Vaterstadt marschi…… äh …. reite …..äh … Dich begeben sollst und auch nur DU Dich als Mann in eine Liste einzutragen hast, warum muß ich dann, zudem hochschwanger, mitgehen? Als was? Schmückendes Beiwerk? Dazu fehlt mir nun wirklich gerade die Form! Du musst zugeben, lieber Josef, dass Deine Kausalkette ein wenig angreifbar ist. Kann es sein, dass Du da was missverstanden hast?“

 

Josef: „Ne, habe ich nicht! Aber wenn Du mir nicht glaubst, dann höre Dir mal das hier an!“

 

Sprecherin: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zurzeit da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.“

 

Maria: „Na, das nenne ich mal proaktiven Informationsfluss! Anscheinend habe ich keine andere Wahl, so gehe voraus, aber eile nicht, lieber Josef mein!“ (Beide gehen ab).

 

 

Der Krippenbau zu Bethlehem

 

Sprecherin: „Zur gleichen Zeit erscheint am Zielort Bethlehem eine Gastwirtin bei ihrem Freund, einem Tischler.“

 

(Tischler steht auf der Bühne),

 

Gastwirtin (tritt auf): „Lieber Freund, ich hoffe, Du kannst mir helfen, denn ich habe ein kleines Problem.“

 

Tischler: „Dann will ich sehen, dass ich Dein Problem lösen kann. Was kann ich für Dich tun?“

 

Gastwirtin: „Ich brauche dringend eine neue Krippe! Die alte ist klanglos zusammengeklappt. Nun müssen die Viecher vom Boden essen. Kannst Du mir eine neue bauen?

 

Tischler: „Das habe ich noch nie gehört. Wie kann denn ein so simples Konstrukt kaputtgehen? Wo hast Du sie erworben?“

 

Gastwirtin: Es war einer dieser neuen fliegenden Händler, die einem Gebiet entstammen, welches nördlich von Germanien liegt. Er war nett und lustig und seine Produkte, die er feilbot, hatten so putzig klingende Namen.“

 

Tischler: „Das wird ja immer drolliger. Wie soll denn eine Krippe heißen? (schüttelt den Kopf).

 

Gastwirtin: „Öchsfress!“

 

Tischler: „Bin gespannt, was noch so alles in Zukunft auf uns zukommt. So sei es, entsperrmülle den Krippenschrott. Mein Lehrling wird Dir morgen vor der Abendstunde eine neue Krippe liefern.

 

Gastwirtin: „So danke ich Dir, mein Freund!“ (Geht ab).

 

Tischler (ruft): „Hey, Stift im Ersten, ich habe einen Auftrag für Dich! Tanze er an!“

 

Lehrling (schwebt auf die Bühne): „Wer ist es, der meiner Kunst bedarf? Wem darf ich mit diesen goldenen Händen ein Möbel zaubern, welches blankes Entzücken verursacht. Wessen Diener darf ich für einen Bruchteil der Zeitgeschichte sein?“

 

Tischler: „Brunos!“

 

Lehrling: „Wie meinen?“

 

Tischler: „Brunos Diener!“

 

Lehrling: „Wer ist Bruno?“

 

Tischler: „Der Ochse der Gastwirtin! Dem hat es die Krippe zerhauen und er braucht eine neue. Bis morgen musst Du fertig sein und sie noch vor der ersten Nachtstunde ausliefern.“

 

Lehrling: „Ihr macht wohl Witze, Meister?! Mein Talent wurde nicht erschaffen, um an die Belange von Viehzeugs vergeudet zu werden. Ich bin zu Höherem berufen.“

 

Tischler: „Heute jedenfalls bist Du zu Hörnern berufen und in erster Linie natürlich dazu, zu tun, was ich Dir sage. Und nun komme in Wallung. Eine Krippe für Bruno und zwar pronto.“ (Geht ab)

 

Lehrling (äfft den Meister nach): „Und nun komme in Wallung! Jaaaa, mein Herr und Meister! Walle! Walle! Blablabla“ (Dann ernsthaft): „Es ist erniedrigend, empörend und furchtbar schrecklich, wenn ein Künstler wie ich eine solche Arbeit verrichten muss. Das Schiff eines Tempels filigran zu verzieren, das wäre was. Dem Inneren von Palästen ein unsterbliches Antlitz zu verpassen, das ist meine Berufung. Noch über Jahrtausende würde der Wind, der diese edlen und vollendeten immobilen Wunderwerke umschmeichelt, ehrfürchtig meine Namen flüstern. (Seufzt) Von Bruno ist das wohl eher nicht zu erwarten.“

 

(Dann mit Herzblut): „Aber ich werde beweisen, dass selbst eine so simple Aufgabe derart zu bewerkstelligen ist, dass das Maximum an Qualität erreicht wird. Das wird nicht nur eine Krippe, das wird die beste Krippe aller Krippen. Eine Krippe für die Ewigkeit. Der Ochse wird in Ehrfurcht erstarren, wenn seine Ochsenlippen sie berühren. Sie wird dem Druck eines jeden Rindviehs standhalten und doch die liebliche Ausstrahlung eines Kinderbettchens haben, eines Bettchens, welches würdig wäre, einen König in Windeln Trost und Ruhe zu spenden. Hallo Welt, werde Zeuge des Krippenbaus zu Bethlehem!“ (tritt ab)

 

Observatorium (weit, weit weg!)

 

Sprecherin: „Weit, weit weg von Bethlehem machten Sterndeuter eine seltsame Entdeckung.“

 

(Kaspar, Melchior und Balthasar stehen über eine Sternenkarte gebeugt. Sie murmeln vor sich hin).

 

Kaspar: „Also der hier stand letztens noch woanders und dieser hier ist ersterem um einiges näher gekommen!“

 

Balthasar: „Bald stehen Sie nebeneinander und dann wird es wohl etwas heller auf Erden!“

 

Melchior: „Yeah, Licht aus!“ (Licht geht fast ganz aus) „Spot an!“ (Spot auf Melchior) „Sehr cool! Äh, ‘tschuldigung!“ (Licht geht wieder an).

 

Balthasar: „Depp!“ (Wendet sich wieder Karte und Himmel zu) „Mmh, wo wird es wohl besonders hell? Irgendwo habe ich mal was über sowas gelesen, aber wo?“

 

Kaspar: „Stimmt, das waren fast unleserliche Schriften auf alten Scherben. Was stand da noch? Und wo haben wir die bloß hingetan?“

 

Melchior: „Egal, wo die sind. Hab‘ die Runen noch in mein Brain! Da stand, dass so eine village namens Bethlehem gehighlightet wird.“

 

Balthasar (wühlt in einem Scherbenhaufen): „Da ist sie ja, die alte Scherbe. War wohl mal Teil einer Tafel. Aber es stimmt, Bethlehem! Wo mag das liegen?“

 

Kaspar: „Keine Ahnung!“ (schaut in den Abendhimmel) „Wenn man der Bahn des Sterns folgt, dann zieht er über Alexandria gen Nordosten.“

 

Balthasar: „Er scheint langsamer zu werden.“

 

Kaspar: „Wie kommt es denn zu solchen Bewegungen?“

 

Balthasar: „Ich bin mir nicht sicher. Es könnte eine dreifache Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternbild Fische sein.“

 

Melchior (steht hinter den beiden und spielt mit einem verdeckten kleinen Gerät rum, murmelt): „Gefällt mir!“

 

Kaspar: „Aber es könnte sich natürlich auch um eine komplexe Konstellation mit Sonne, Jupiter, Venus und Mond im Sternbild Widder handeln.“

 

Melchior: „Gefällt mir!“

 

Balthasar: „Hoffentlich ist es nicht wieder dieser langweilige Halleysche Komet.“

 

Melchior: „Gefällt mir!“

 

Kaspar: „Sag mal Melchi, was machst Du da eigentlich?“

 

Melchior: „Gefällt mir, gefällt mir, gefällt mir! Wie bitte?“

 

Kaspar: „Na, Du könntest doch einfach helfen, herauszufinden, über welchem Ort der Stern steht.“

 

Melchior: „Na über Bethlehem.“

 

Balthasar: „Schlaukopf, das wissen wir auch. Aber wo liegt Bethlehem?“

 

Melchior: „In Judäa in Kanada, Kanaan, Israel oder so. Kenne ich, da habe ich friends! Momentan ist es da taghell und das Kaff ist gesteckt voll mit lots of follow ups von Big King David!“

 

Kaspar: „Wie kannst Du denn Leute in einem fernen Land kennen und über die Lichtverhältnisse Bescheid wissen?“

 

Melchior (hält einen Handheld hoch): Facebook!

Balthasar: „Was ist das denn schon wieder für ein Quatsch? (Nimmt das Gerät an sich) Und das hier sind Deine Freunde, ja? Dana, Esther, Hannah, Rachel, Rahel, Ruth, Lea, Rebecca, Sara, Jona, Mirjam, …..! Und wer ist Natascha aus Novosibirsk? Was, bitteschön ist das? Du Weiberheld!“

 

Melchior: „Gefällt mir! Und her damit und zurück zum Thema!“

 

Kaspar: „Ich möchte unbedingt an den Ort, der sich jetzt unter dem Stern befindet!“

 

Balthasar: „Ok“ (Beruhigt sich) Die Legende berichtet von der Geburt des mächtigsten Königs, dessen Geburtsort stark beleuchtet werden soll.“

 

Kaspar: „Wir sollten vielleicht Geschenke mitbringen? Was schenkt man einem großen sternenbeschienenen König?“

 

(alle überlegen)

 

Melchior; „Sterne? König? Mächtig? Ich habe es, Lego Star Wars!“ (Kurz Licht dimmen, Soundeinlage: Atem Darth Vader).

 

Balthasar (schüttelt den Kopf): „Hatte ich vergessen, es handelt sich um einen Friedenskönig!“

 

Kaspar: „Lasst uns lieber etwas kindgerechtes mitnehmen. Ich schlage Gold, Weihrauch und Myrre vor!“

 

Melchior (gluckst): „Ist ja irre kindgerecht, besonders der Weihrauch! (Röchelt) Haaaalleeeeluuuuujaaa!

 

Balthasar: „Lasst uns reiten! Wie ich die Leute da kenne, müssen wir ab Alexandria nur den Pfeilen folgen. Duckt Euch gegebenenfalls!“

 

Ankunft in Bethlehem

 

Sprecherin: „Maria und Josef trafen nach einer beschwerlichen Reise des Typs „Fußmärsche länger als 200 Meter, Reiten auf langohrigen Vierbeinern, Wach sein zu nächtlicher Stunde, Nächtigen in schwangeren-nicht-kompatibler Bettstatt“ ein. Sie versuchten, einen Platz in einer Herberge zu bekommen.“

 

Josef (klopft an eine Tür, ein Herbergsvater öffnet): „Mein Weib und ich suchen nach einer Unterkunft der komfortablen Art, denn wir sind von der langen Reise erschöpft. Zimmer mit Aussicht, all inclusive!“

 

Herbergsvater I: „Kommt Ihr vom Mond? Bethlehem ist gerappelt voll. Wir haben schon Massenunterkünfte eingerichtet. Kaum zu glauben, wer alles zur Reproduktion von König David zählt. War wohl ein eher einfühlsamer Mensch! Hier ist nichts, aber auch gar nichts zu machen! Und tschüss!“ (knallt die Tür zu).

 

Maria: „Dienstleistungswüste Israel, ich sag’s ja immer!“

 

Josef: „Mache Dir keine ängstlichen Gedanken, wir machen das schon! Ich wechsel mal die Taktik“ (Klopft an die nächste Tür).

 

Herbergsvater II: „Ja?“

 

Josef: „Da sind wir, wie angekündigt. Wir haben nur leichtest Gepäck. Der Page möge den Esel einparken und ihm etwas zu fressen geben. Unbedingt glutenfrei und ohne Konservierungsstoffe. Mann, das war vielleicht eine harte Reise. Ständig Staus und Baustellen. So freuen wir uns besonders, jetzt Eure Gäste sein können.“

 

Herbergsvater II: „Kann mich gar nicht dran erinnern, einen Komiker bestellt zu haben. Aber netter Versuch, mein Lieber! Aber bei uns stapeln sich die Gäste schon! Tut mir leid, nichts zu machen! Viel Glück!“

 

Josef: „Das ist ja wohl nicht zu glauben Erst scheuchen Sie die Leute durchs Land und dann denkt niemand daran, dass die auch irgendwo schlafen müssen!“

 

Maria: „Römer eben. Einfallen und Überfallen sehr gut, Organisieren mangelhaft.“

 

Josef: „Wie konnte die eigentlich so weit kommen?“ (klopft an die nächste Tür)

 

Gastwirtin (öffnet): „Wer seid Ihr und was ist Euer Begehr?“

 

Josef (laut): „Ich bin ein Zimmermann und will ein Zimmer, Mann!“

 

Gastwirtin: „Danke, jetzt sind meine Gehörgänge wieder frei! Ich fürchte, ich bin komplett ausgebucht, tut mir sehr leid. (Schaut auf Maria) Ach herje, das dauert wohl nicht mehr lange. Mist, ich wüsste auch keine Alternative.“ (denkt nach).

 

Lehrling (tritt mit Krippe über der Schulter auf): „Ich habe eine Lieferung für Euch. Wo soll ich sie hinstellen?“

 

Gastwirtin: „Magst Du Sie gleich in den Stall bringen, mein Junge? Geh danach ins Haus und lass Dich von meinem Manne auszahlen. Donnerwetter, das ist aber mal eine prächtige Krippe. Da wird sich Bruno aber freuen. (Lehrling tritt ab, die Gastwirtin grübelt kurz, schaut Maria und Josef an, ruft dem Lehrling hinterher): „Warte Bursche, stell‘ das gute Stück mal noch nicht direkt zu Bruno, ich habe eine Idee. (Lehrling stellt die Krippe an den Rand der Bühne, tritt ab. Gastwirtin schaut Maria an): „Na ja, so ganz nach den Vorschriften ist das ja nicht, aber vielleicht könnte Dir die Krippe da als erstes Lager für Dein Kindchen dienen. Es ist eine Neuentwicklung, hygienisch unbedenklich und immer noch besser als nichts. Ich würde auch nichts berechnen.“

 

Maria: „Herzlichen Dank. Einer längeren Suche bin ich auch nicht gewachsen!“ (Maria und Josef setzen sich vor die Krippe).

 

Sprecherin: „Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“

 

Auf dem Felde

 

Sprecherin: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.“

 

Hirte I: „Boah, ich bin so froh, dass wir hier draußen pennen können. Hier gibt es wenigstens (atmet tief ein) frische Luft!“

 

Hirte II: „Frische Luft? Unter Schafen? Wo lebst Du denn sonst so?“

 

Hirte III: „ Aber hier kann man sich wenigsten noch bewegen. Nach Bethlehem kommt man ja nicht mehr hinein vor lauter Gedrängel. Bin gespannt, wie die das mit den Listen regeln bei diesen Menschenmassen.

 

Hirte IV: „Sagt mal, was ist denn das helle Licht, was da auf uns zurast?“

 

Engel des Herr: (tritt auf): „Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

 

Sprecherin: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:“

 

Engel des Herr: „Lobet den HERRN, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seine Befehle ausrichtet, dass man höre auf die Stimme seines Wortes! Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Und er ist gekommen, hat verkündigt im Evangelium den Frieden euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren!“ (Engel des Herrn tritt ab).

 

Sprecherin: „Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander!“

 

Hirte I: „Wow! Das war mal ein schmissiger Aufritt!“

 

Hirte II: „Frieden und Wohlgefallen?“

 

Hirte III: „Klingt jedenfalls sehr optimistisch…..“

 

Hirte IV: „….und hemmt irgendwie die Panik im allgemeinen und den Weltschmerz im besonderen.“

 

Hirte I: „Anschauen würde ich mir das schon mal gerne.“

 

Hirte II: „Weg vom Feld, rein in den Stall. Und das mit circa 2 000 000 anderen. Muß das jetzt sein?“

 

Hirte III: „Die Ansage des illuminierten Wesens klang so gar nicht nach entscheidungsfreiem  Konjunktiv. Ich darf mal zitieren, ja? ‘Ihr WERDET finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen‘.“

 

Hirte I: „Eindeutig Futur I.“

 

Hirte III: „Na los, die Schafe nehmen wir mit!“

 

Hirte II: „Können wir nicht einfach bis morgen warten?“

 

Hirte IV: „Und was sagen wir dann dem Strahlemann, wenn er noch mal zurückkommt? Etwa: ‘Die Hirten werden im Laufe der Nacht irgendwann das Kind gefunden haben‘?“

 

Hirte I: „Eindeutig Futur II.“

 

Hirte II: „Na gut, wenn es denn sein muß.“

 

(Die Hirten bewegen sich langsam auf die Krippe zu und setzen sich davor)

 

(Die drei Weisen treten auf, Balthasar und Kaspar halten sich die Ohren zu)

 

Melchior: „Ich habe noch einen, der ist voll cool, also: Werden wenige wissen, wer weltbekannte Wöchnerin war? Oder, halt, stopp, noch besser: Wimmerndes Würmchen wird wohl wertvoller Wegbegründer wichtiger Wandlungen.“

 

Balthasar (streng): „Melchi!“

 

Melchior: „Was?

 

Balthasar: „Genau jetzt, Melchi, ist der Zeitpunkt, den Augenblick auf sich wirken zu lassen und seine Entfaltung zu genießen.“

 

Melchior: „Was heißt das?“

 

Kaspar: „Schnabel halten!“

 

(Treten an die Krippe und knien sich hin!)

 

<Ende>

 

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